Wie unsere Muskeln unser Leben beeinflussen



Aktuelles aus der Sendung in 3 Sat: Bizeps, Trizeps & Co.

Den ganzen Film kann man hier ansehen:

Unser Stoffwechsel und unsere Muskeln haben sich seit 10.000 Jahren nicht verändert. Sie sind für körperliche Hochleistung ausgelegt und nicht dafür gemacht, den ganzen Tag fast ohne Bewegung zuzubringen.

Viele Menschen strengen sich nur noch selten körperlich an. Die Folge: Bluthochdruck, Depressionen, Diabetes, Fettsucht, Heuschnupfen, Krebs. Und das hat wiederum etwas mit den Muskeln zu tun. Bislang galten die 640 Muskeln im menschlichen Körper als passive Befehlsempfänger. Neue Forschungen zeigen jedoch, dass die Fasern eine weit wichtigere Rolle spielen.

Muskeln senden eine Vielzahl von größtenteils noch unerforschten Botenstoffen aus und kommunizieren mit anderen Organen. „Der menschliche Skelettmuskel ist das wichtigste Stoffwechselorgan und bestimmt die Qualität und Dauer unseres Lebens“, weiß Professor Heiko K. Strüder vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln.


Detlev Ganten, Pharmakologe, Charité Berlin:

„Die Naturvölker mussten ihre Nahrung erjagen, erlaufen, erarbeiten. Die waren beständig in Bewegung, von morgens bis abends. Und wir haben uns seit der Steinzeit in unserer Biologie nicht verändert. Die Art, wie wir leben heute in unserer Zivilisation, bewirkt, dass wir die sogenannten Zivilisationskrankheiten haben. Wir bewegen uns nicht mehr, wir verbrauchen keine Energie mehr, jedenfalls viel zu wenig. Wir sind übergewichtig, bekommen Diabetes, bekommen hohen Blutdruck, Hirnschlag, Nierenversagen, Herzversagen, Herzinfarkt, das sind die Zivilisationskrankheiten, und die können wir vermeiden.“

Wir leben also im Ungleichgewicht mit unseren evolutionären Bedürfnissen. Nun weiß auch Detlev Ganten, dass wir nicht wieder zurück in die Steinzeit können. Ihm geht es um einen gesunden Lebensstil in unserer Wohlstandsgesellschaft. Massenstudien haben bewiesen: Normalgewichtige Nichtraucher können ihr Risiko an Zivilisationskrankheiten zu leiden, um enorme 78 Prozent senken.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass die Skelettmuskeln bei körperlicher Aktivität eine Vielzahl von Botenstoffen aussenden, die einen ungeahnten Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Jetzt ist man diesem Mechanismus auf der Spur. Das Zentrum der Erforschung dieser geheimnisvollen Botenstoffe liegt in Dänemark. In Kopenhagen wird möglicherweise gerade Medizingeschichte geschrieben. Denn hier hat die Internistin Bente Klarlund Pedersen, Reichshospital Kopenhagen einen Teil der Sprache der rätselhaften Botenstoffe der Muskeln entschlüsselt.

Bente Pedersen ist überzeugt: Der Skelettmuskel ist nicht nur für unsere Bewegung zuständig. Für sie ist er das wichtigste Stoffwechselorgan des Menschen. Die Botenstoffe, die der Skelettmuskel aussendet, regulieren auch die Fettverbrennung im Körper. Bente Pedersen hat ihnen den Namen Myokine gegeben.

Die ehemalige Notfallmedizinerin leitet heute das größte Zentrum Dänemarks für Entzündungs- und Stoffwechselkrankheiten. Am Anfang jeder Untersuchung steht eine Maschine, der nicht das kleinste Fettpölsterchen entgeht. Der unbestechliche Scanner liefert genaue Angaben über die Verteilung von Knochen, Muskeln und Fettmasse.

Bente Pedersen:
„Wenn man seine Muskeln nicht trainiert, dann produziert man auch nicht genügend Myokine. Beim Muskeltraining, kommen Myokine aus dem Muskel und beeinflussen alle anderen Organe. Sie gehen zum Fett und verbrennen genau das Fett, das an den falschen Stellen sitzt. Sie beeinflussen die Gefäße und auch die Leber und halten sie gesund. Myokine beeinflussen sogar das Gehirn und schützen vor Demenz.“

Dr. Helge Knigge, Sportmediziner, Deutsche Sporthochschule Köln :Wir wollen schauen, ob körperliche Aktivität im Sinne einer Hochregulation der Ausdauerleistungsfähigkeit positive Effekte auf Wohlbefinden und kognitive Funktionen hat. Zum Beispiel Merkfähigkeit, zum Beispiel Originalität des Gedankens, möglicherweise auch strategisches Vermögen und dererlei. Also eigentlich Kapazitäten, von denen wir bisher immer gedacht haben, man kann sie durch Gedächtnistraining zum Beispiel verbessern. Wir sind aber der Meinung, dass das rein körperliche Training mitunter diese Kapazitäten stark verbessern kann und das hätte natürlich große Auswirkungen auf therapeutische Wege zum Beispiel.“

Henning Boecker, Neurologe, Uniklinik Bonn:
Wenn man längere Zeit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes und andere hat, ist das nicht nur schlecht für das Herz und die Gefäße, sondern auch  für das Gehirn. Die Gehirnfunktionen werden über die Zeit negativ beeinflusst. Wenn man jetzt anfängt Sport zu treiben, dann verringert man diese Risikofaktoren und hat weniger Schädigungen für das Gehirn. Gleichzeitig produziert man  über diese neurothrophen Faktoren neues Hirnwachstum und eine vergrößerte Konnektivität in bestimmten Arealen,  die sehr wichtig für kognitive Prozesse sind.

Quelle: 3SAT
Jetzt kann ich mir aber doch einen kleinen persönlichen Kommentar dazu nicht verkneifen. "mens sana in corpore sano" haben wir ja schon im Lateinunterricht kennengelernt. "Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper". Wir wurden damals damit motiviert, uns durch körperliche Betätigungen auch geistig fit zu halten.
Dieser Satz wurde allerdings aus dem Zusammenhang gerissen - wie so oft. Der römische Satirendichter Juvenal
(60 - 140 n.Chr.) hatte geschrieben: "Orandum est ut sit mens sana in corpore sano". Das bedeutet: Man sollte dafür beten, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist ist". Das ergibt natürlich einen anderen Sinn.
Ein gesunder Körper nutzt nichts, wenn der Geist nicht gesund ist. Dass in einem kranken Körper aber auch ein gesunder Geist ist, sieht man am Beispiel des Physikers Stephen Hawking.
Das Zitat Juvenals wurde aber über Jahrhunderte dafür verwendet, die Jugend zu körperlicher Ertüchtigung zu motivieren. Viele Sportvereine haben sich diesen Spruch auf ihr Banner geschrieben. Auch der Nationalsozialismus verwandte das Zitat "natürlich" für seine ganz speziellen Zwecke.
Liest man aber obige Artikel, dann ist ja doch ein Fünkchen Wahrheit an allem. Man könnte vielleicht sagen, dass Sport in einem gesunden Rahmen den Menschen dazu bringen kann, seine Grenzen auszuloten und sich in beiden Bereichen - körperlich und geistig - weiterentwickeln soll.